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Franz Schubert (1797 - 1828)

Am 31. Januar 1995 gedachte die ganze Kulturwelt des 198. Jahrestages der Geburt des her­vorragenden Komponisten Franz Schubert. Und wenn auch Schubert in Wien zur Welt kam, liegen doch die Wurzeln seiner Familie in unserem Kreis, in der Jeseniker Region.
Der Vater des Komponisten stammt aus dem kleinen Dorf Neudorf (Nova Ves), das zur Pfarre  Hohen Seibersdorf (Vysoké Žibřidovice) bei Hannsdorf (Hanušovice) gehört (heute Siedlung Vysoka). Geboren wurde er im Jahre 1763, und weil er in der Schulzeit eine Begabung zum Lernen zeigte, schickte ihn der Vater auf das Sechsklassen-Gymnasium in Brünn. Nach des­sen Abschluss ging er zum Studium an die philosophische Fakultät in Wien, wo ihn wahr­scheinlich finanzielle Bedrängnis zwang, Hilfslehrer bei seinem älteren Bruder zu werden. Hier wurde er mit der sieben Jahre älteren Elisabeth Vietze, einer Landsmännin aus Zuck­mantel, bekannt und verheiratete sich mit ihr.

 

Während der Bräutigam aus einem kleinen Dorf stammte, wurde die Braut in einer Stadt geboren, die bereits 500 Jahre lang als Bergstadt und Zentrum der Textilindustrie berühmt war.

 

Zur Hochzeit kam es am 17. Januar 1785 und im April des Jahres wurde den Neuvermählten das erste Kind, Ignaz Franz, geboren. Ein Jahr nach der Heirat erhielt Schubert die Stelle eines leitenden Lehrers an der Grundschule in Lichtental, einem Vorort von Wien. Als am 31. Januar 1797 der zukünftige Komponist, Franz Schubert,  als zwölftes Kind zur Welt kam, hatte er nur drei lebende Geschwister.

 

Der junge Franz erwies sich als außerordentliches musikalisches Talent und daher gelang es dem Vater, ihn im Konvikt für die kaiserliche Gesangskapelle unterzubringen. Hier unter­richtete ihn der Tscheche Václav Růžička, der ihm eine Lehre beim Hofkapellmeister Anton Salieri ermöglichte. Im Konvikt verblieb Schubert auch nach dem Stimmwechsel und ver­wunderte die Umgebung durch Kompositionen, die er mit ungesehener Leichtigkeit nieder­schrieb. Sein Vater befürchtete, dass seine Musik ihn vom Studium abbringen und er so die Stelle im Konvikt verlieren könne. Der Tod der Mutter, die im Mai 1812 starb, traf den Jungen schwer.

 

Die bösen Vorahnungen des Vaters bezüglich Franz, den er als Lehrer sehen wollte, gingen bei der schriftlichen Arbeit in Erfüllung. Franz sollte im Jahre 1813 eine Wiederholungs­prüfung in Mathematik zu einer Zeit machen, als er seine erste Symphonie vollendete. Er ent­schloss sich, die Schule zu verlassen, ohne zu wissen, dass der Kaiser Franz I. bereits über ihn entschieden hatte, als er der Verwaltung des Konvikts, die über seine ungenügende Lern­leistungen hinaus seine außerordentliche Begabung erkannte, schrieb: „Ich brauche keine Genies, sondern gute Untertanen." Der enttäuschte Vater veranlasste ihn, wenigstens einen zehnmonatigen Lehrerkursus zu besuchen, nach dessen Abschluss er gemeinsam mit dem Vater und zwei Brüdern begann, in Lichtental zu unterrichten. Die Langeweile des Unter­richtens wurde im höchsten Maße durch Komponieren entschädigt und allein im Verlauf des Jahres 1815 schuf er zwei Symphonien, ein Violinenquartett, zwei Messen, 144 Lieder und weitere Kompositionen. Die Bemühungen der Freunde, Wiener Verleger zur Herausgabe der Schubertschen Lieder zu bewegen, die bereits in vielen Abschriften kursierten, stießen auf Ablehnung und Unverständnis. Selbst J.W. Goethe, dem Schubert die Vertonung der Gedichtsballade „Der Erlkönig" gesandt hatte, zeigte für das geniale Werk nicht das geringste Interesse. Etwas Anerkennung brachte ihm die Einladung des Grafen Esterhazy, während des Sommers 1818 seine zwei Töchter in Zeliezovci in der Slowakei zu unterrichten.

 

Nach der Rückkehr nach Wien kam er schon nicht mehr zum Vater und zum Unterrichten zurück. Er lebte bei Freunden, schwankte zwischen Not und zeitweiligem Wohlstand. Im Jahre 1828 war Schubert am Boden und er erkrankte an einem Blutsturz. Sein Bruder Ferdinand nahm sich seiner an und brachte ihn in sein neu errichtetes Haus in Wieden. Hier erkrankte Schubert an Typhus und dieser brachte ihn, ähnlich wie seine Mutter, am 19. November 1828 ins Grab.

 

Der eigene Vater kam nicht zu Besuch, er hatte Angst sich anzustecken, aber er gab die Mittel, um den Sohn in Währingen zu bestatten, nicht weit entfernt vom Grabe des Ludwig van Beethoven.

 

In den 14 Jahren der Tätigkeit als Komponist schuf Schubert ein Werk, das durch Umfang und Wert verwundert. Dazu gehören 9 Symphonien, 17 Quartette, zahlreiche Klavier­kompositionen und 12 Sonaten, 7 Messen, 14 Opern und 603 Lieder. Eine Reihe von Werken ging durch die berüchtigte Nachlässigkeit des Komponisten verloren.

 

Häufig wird die Frage gestellt, in wie weit die Musikalität Schuberts durch das familiäre Erbe bedingt war. Sein strenger und pedantischer Vater hatte für das Talent des Sohnes kein großes Verständnis, dagegen kann man in der mütterlichen Familie den Großonkel, Johann Georg Vietze anführen, der bereits im Jahre 1708 als guter Musiker berühmt war. Er hatte in Zuck­mantel über 40 Jahre das Amt des Organisten inne.

 

Vorläufig hat niemand versucht, durch Vergleiche im Schubertschen Schaffen die Wider­spiegelung schlesischen Volkslieder zumindest in dem Maße zu finden, wie sie darin unga­rische Liederfolklore durch die Aufenthalte in Zeliezovce hinterlassen haben. Deshalb spricht man allenthalben nur von der Melancholie vieler seiner Kompositionen als einer Erscheinung einer schlesischen Neigung zum Mystizismus, die von den Eltern geerbt worden sei.

 

Diese Überlegungen berühren die Bedeutung von Franz Schubert nur am Rande. Seine Musik von unvergesslicher Schönheit bildet einen nicht zu leugnenden Teil der zeitlosen mensch­lichen Kultur, weil nur wenige Komponisten so innerlich ihre Freude und Trauer wie gerade er heraussingen konnten.

 

Unsere Stadt bekennt sich zur Herkunft und zum Erbe von Franz Schubert  mit der Veran­staltung von Interpretenwettbewerben für Klavierduos, die in ihrer Bedeutung  und Einzig­artigkeit die Grenzen unseres Landes überschreiten.

 

Verfasst nach R. Zuber

 


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