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PhDr. Rudolf Zuber (1912 - 1995)

Archivar, Schriftsteller – Autor zahlreicher regionaler Publikationen.  

Gebürtig aus Moravská Ostrava-Vítkovice studierte er nach Absolvieren des Reformreal­gymnasiums im Jahre 1931 an der theologischen Kyrill-Method-Fakultät in Olomouc, wo er im Jahre 1936 zum Priester geweiht wurde. Durch sein Interesse an der Geschichte, insbeson­dere durch das Wirken von Prof. Augustin A. Neumann, wurde er Präfekt des erzbischöf­lichen Seminars in Kroměříž und gleichzeitig Professor für Deutsch und Geschichte am erz­bischöflichen Gymnasium (1939-1946).

Sein inneres Bedürfnis führte ihn zur Entscheidung, dieses Fach weiter zu studieren. Deshalb trug er sich im Jahre 1937 für das Studium der Geschichte und der Germanistik an der Karls Universität bei unseren führenden Historikern: J. Šusta, O. OdloŽilÍk, V. Chaloupeck und  K. Stloukal ein. Unter der Anleitung des Letztgenannten erarbeitete er eine Doktorarbeit zum Thema „Mladá léta kardinála Dietrichštejna“ (Die jungen Jahre des Kardinals Dietrichstein) und verteidigte sie im Jahre 1946 (mit einer kriegsbedingten Verzögerung, als alle tschechi­schen Hochschulen von den Nazis geschlossen worden waren). Ein Jahr später wurde er erz­bischöflicher Archivar und Bibliothekar im Schloss Kroměříž. Er begann das Studium des Archivwesens an der Masaryk-Universität in Brno (1950-1953), einschließlich kurzer Studien in Paris und Wien. Bereits zu dieser Zeit begann er Artikel zur Geschichte der Diözese Olomouc zu publizieren (1961).

In einem normalen Umfeld wäre für Dr. Zuber die eindeutige Perspektive eines Wissen­schaftlers und Universitätslehrers vorgezeichnet gewesen. Im Wintersemester 1947/1948 be­gann er eine Lehrtätigkeit an der theologischen Kyrill-Method-Fakultät. Jedoch verstellte ihm der Umsturz im Jahre 1948 den Weg mit ernsthaften Schwierigkeiten. Zuerst wurden das Seminar und das Gymnasium aufgelöst, dann übernahm die Stadt das Schloss. Im Jahre 1952 wurde er aus dem erzbischöflichen Archiv vertrieben und landete „in der Verbannung“ in der Zweigstelle des land- und forstwirtschaftlichen Archivs in Javorník in Schlesien. Bis zum Jahre 1960 bearbeitete er die Archivfonds des Breslauer Erzbistums, die er inventarisierte und im 4. Werk des Leitfadens für die Archivfonds des Erzbistums in Opava (1961) beschrieb, wobei er als Mitautor verschwiegen wurde. Durch die Übernahme der Archivfonds durch Opava war er gezwungen die Wirkungsstätte zu wechseln. Er wurde Mitarbeiter der Zweig­stelle des Kreisarchivs Šumperk in Javorník mit einem Wirkungsgebiet der ganzen Region Jeseník und verblieb hier bis zur Pensionierung im Jahre 1977. Der Erschließung der Geschichte des österreichischen Teils des Fürstentums Neisse, also der heutigen Region Jeseník widmete er ein weiters Jahrzehnt seines Lebens. Im Jahre 1957 heiratete R. Zuber Renata Müllerova und aus dieser Ehe gingen 4 Kinder hervor.

Die Lockerung der 60er Jahre brachte Dr. Zuber neue Impulse und Kontakte auch außerhalb der Grenzen der Republik. Es schien so, als ob seine Kandidatenarbeit „Osídlený Jesenicka do počátku XV. století“ (Die Besiedlung der Region Jeseník bis zum Beginn des XV. Jahr­hunderts), die gedruckt erschien, letztlich zur Rückkehr auf eine wissenschaftliche Laufbahn führen würde. Die Normalisierung machte erneut einen Strich durch die Rechnung, den Titel eines Kandidaten der Wissenschaften durfte er nicht verteidigen. Jedoch wich er auch in der Zeit, in der er nicht frei publizieren konnte, nicht einen Schritt von seinen Ansichten ab und mit dem Druck in dieser Periode fand er sich auf seine Weise ab: Durch noch tiefere und flei­ßigere Studien, insbesondere der Sprachen, der Archivquellen, der Artikel und Studien in ausländischen Zeitschriften, die damals schwer erhältlich waren. Der riesige Umfang seiner Kenntnisse erlaubte ihm später, eine Reihe von Studien zu veröffentlichen, so z. B. über die Musik der Piaristen in Bílá Voda oder über den Komponisten Karl Ditters von Dittersdorf, mit denen er sich auf sein Hauptwerk vorbereitete. In den 80er Jahren konnte er sich schließlich öffentlich zu seinem geliebten Fach, zur Kirchengeschichte, bekennen. Im Jahre 1987 er­schien der erste Teil seines Buches Osudy moravské církve v 18. století (1695-1777) (Die Geschicke der mährischen Kirche im 18. Jahrhundert). In Zusammenhang mit der Herausgabe des Buches begann ein neues Kapitel im Leben Zubers. Zumindest durch Teilstudien auf den Seiten der heimatkundlichen Periodika kehrte er nach Kroměříž zurück. An den Anfang seines Weges als Forscher.(1993).

Für alles benennen wir wenigstens Život na Kroměřížském zámku v první polovině 18. století (Das Leben auf dem Schloss Kroměříž in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts) (1986) oder Piaristé a jejich koleje na Moravě v 18. století (Die Piaristen und ihre Kollegien in Mähren im 18. Jahrhundert) (1989). Nach dem Jahre 1989 dann auch  Arcibiskupské gymnázium  v Kroměříže 1854-1950 (Das erzbischöfliche Gymnasium in Kroměříž 1854-1950) (1991) oder der begonnene zweite Teil der Osudy moravské církve v 18. století (erschien 2003).

Die stürmischen gesellschaftlichen Umwälzungen der 90er Jahre konnten Dr. Zuber nicht gleichgültig lassen. In einer Reihe von Vorträgen und Artikeln appellierte er an eine Verän­derung der Gesellschaft durch die Geisteshaltung des Menschen. Für diese Aufgabe legte Dr. Zuber ein Holzscheit, aus dem einmal eine Flamme lodern sollte. Für mehr reichte seine schnell sinkende Kraft nicht mehr. Am 29. Oktober 1995 entschlief er in Jeseník.

Das Staatliche Kreisarchiv.

 


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