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Freiwaldauer Warte

Die unbestrittene Dominante der Stadt Jeseník (Freiwaldau) und seiner Umgebung ist der ansonsten unbedeutende Berg Zlatý chlum (Goldkoppe, 875 m), auf dessen Gipfel ein steinerner Turm emporragt, der heute als einziger von allen ähnlichen Bauten im Altvatergebirge seinem ursprünglichen Zweck, und zwar als Aussichtsturm dient.

Beim Nachforschen nach der Geschichte solch bedeutender Bauten, wie es die alten Aussichtstürme auf zahlreichen Gipfeln des hiesigen Gebirges darstellten, muss man mehr als hundert Jahre zu den ersten Wegbereitern der organisierten Touristik im Altvatergebirge zurückkehren. Für die hiesige Bevölkerung waren Ausflüge ins Gebirge eine Selbstverständlichkeit, obwohl ihre Arbeit gewöhnlich sehr schwer war und sie nur am Sonntag oder an kirchlichen Feiertagen arbeitsfrei hatte.

Zu einer bestimmten Zeit war die Entwicklung der Touristik im Altvatergebirge bereits so massenhaft, so dass es erforderlich war, eine feste Organisation zu gründen, die sich um die weitere Entwicklung der organisierten Touristik Medritzerova chatakümmerte. So wurde am 26. April 1881 im Freiwaldau der Mährisch - Schlesische Sudeten - Gebirgsverein ins Leben gerufen. Der Verein entwickelte gleich von Beginn an grosse Aktivität. Bereits in einem Jahr hatte er 950 Mitglieder, die in neuen Sektionen arbeiteten, wobei die Freiwaldauer Sektion zu den aktivsten gehörte. Zu Beginn bestand die Tätigkeit in der Herrichtung und Markierung der Wanderwege im Gebirge, der Herausgabe von Führern durchs Gebirge, Wanderkarten und schliesslich einer eigenen Zeitschrift. Bereits nach kurzer Zeit begannen sie mit der Errichtung bedeutender Bauten - neben den ersten Berghütten entstanden auch prunkvolle steinerne Aussichtstürme. Bis Ende des II. Weltkriegs standen im Altvatergebirge noch einige andere. Als erster wurde der 18 m hohe Aussichtsturm auf der Bischofskoppe (1898) bei Zuckmantel (Zlaté Hory) errichtet und gleich ein Jahr darauf entstand der 28 m hohe steinerne Aussichtsturm auf der Goldkoppe (heute Zlatý chlum). Die Idee, gerade hier einen Aussichtsturm zu errichten, hatte der Ausschuss der Freiwaldauer Sektion schon im Jahre 1894 und die Wahl des Standortes war eindeutig. Schon sein Name erinnert an den bedeutendsten Zeitabschnitt in der Geschichte dieses Gebietes, als in der Umgebung der Stadt und hauptsächlich auf diesem Berg Gold abgebaut wurde, wovon noch Überreste alter, verlassener, von Gras und Gebüsch überwucherter Stollen zeugen. Auch die Lage in der unmittelbaren Nähe der Stadt bestimmte die Goldkoppe als Standort für den Aussichtsturm vor. Bereits vorher, wahrscheinlich im Jahre 1853 wurde hier eine Hütte gebaut, die jedoch zur Zeit der Errichtung des Aussichtsturms bereits eine Ruine war.

Nach der Ernennung des Bauausschusses und Erlangung der Baugenehmigung musste der benötigte finanzielle Betrag in Höhe von 3600 Gulden aufgebracht werden. Als die Organisatoren dafür wenig Verständnis bei den anderen Sektionen fanden, wandten sie sich an die Freiwaldauer Öffentlichkeit, wodurch der Bau zu einer reinen „häuslichen Angelegenheit" wurde. Aus diesem Grunde wurde entschieden, dem Aussichtsturm die Bezeichnung Freiwaldauer Warte zu verleihen.

Im Jahre 1896, vor dem eigentlichen Baubeginn des Aussichtsturms, wurde auf Kosten des Vereins der Zufahrtsweg auf den Gipfel hergerichtet. Die eigentlichen Bauarbeiten wurden nach dem Projekt von Eduard Zelenka, dem Direktor der Fachschule für Steinmetze in Saubsdorf (Supíkovice) am 8. August 1898 mit dem Graben des Fundaments begonnen. Mit dem Bau wurden der Bauherr Alois Nitsche und der Baumeister Franz Gröger beauftragt, nachdem für die Baukosten ein Betrag von 8501 Gulden vereinbart wurde. Das Baumaterial wurde direkt an Ort und Stelle gefördert, nur die Ziegelsteine von hoher Qualität wurden aus der Ziegelei in Tschauschwitz (heute Suszkowice in Polen) und der Sand aus dem unweiten Sandhübel (Píseèná) geliefert. Trotz der ungünstigen Bedingungen, die im Gebirge herrschen, und hauptsächlich trotz der klimatischen Verhältnisse war der Bau nach einjährigen Bemühungen erfolgreich beendet und wurde am 3. September 1899 feierlich eingeweiht.

In der ganzen Stadt herrschte Freude über das erfolgreich beendete Werk. Am Vorabend der Feier wurde der Aussichtsturm von allen Seiten beleuchtet und am nächsten Tag wurden die Festteilnehmer vor dem Aussichtsturm von der Kurkapelle begrüsst. Ausser den Bewohnern der Stadt und ihrer Umgebung nahmen an den Feierlichkeiten auch Vertreter der einzelnen Sektionen des Touristenvereins teil. Die Gründungsurkunde und die Grussbotschaft, die vom Festredner, dem Direktor der Freiwaldauer Schule und Ehrenmitlied und Mitbegründer des Vereins Adolf Kettner, verlesen wurde, wurden in die Mauern des Aussichtsturm niedergelegt. Die Feierlichkeiten dauerten bis in die späte Nacht hinein und fanden in der weiten Umgebung noch lange Zeit Nachhall.

Der Forstmeister Adolf Medritzer, ein weiters bedeutendes Vereinsmitglied, machte nach einjährigem Betrieb den Vorschlag, neben dem Aussichtsturm eine Touristenhütte zu errichten, die später seinen Namen trug. Trotz positiver Aufnahme des Vorschlags, dauerte es ein ganzes Jahr, bis die Baugenehmigung erteilt wurde. Den Bau führte der erfahrene Zimmermeister Kreipl in einer Rekordzeit aus, bereits am 8. Juni 1902 konnte hier der Ganzjahresbetrieb eröffnet werden. Der Bau hatte auch ökonomische Bedeutung, denn der Zugang auf den Aussichtsturm war so auch im Winter möglich, wodurch es in kurzer Zeit gelang, die Schulden, mit denen die Freiwaldauer Sektion durch den Turm- und Hüttenbau belastet war, abzuzahlen. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wurde die Hütten ein wenig rekonstruiert, es kam eine verglaste Veranda hinzu und nach und nach wurde auch die Umgebung für den Gaststättenbetrieb hergesrichtet.

Im Jahre 1932 legte die Sektion einen bequemen Weg bis zur Hütte an, sowie eine neue Rodelbahn, die nach Instandhaltungsarbeiten in den 60iger Jahren wieder seinem Zweck diente (leider nur für kurze Zeit). Auf dem Weg zum Aussichtsturm konnten sie die Wanderer in der Gaststätte Harichstein (Èertovy kameny) erfrischen, von der aus ein Weg zum gleichnamigen romantischen Aussichtspunkt führt. Auch heute wird dieser Ort von Touristen aufgesucht, die nicht bis auf den Berggipfel steigen möchten oder von Liebespaaren oder einfach nur von Spaziergängern. Der Ort wird auch noch heute Harikáèe genannt, was sichtlich eine Ableitung der deutschen Bezeichnung ist.

Die Kriegserreignisse und die nachfolgende Liquidierung der deutschen Touristenvereins, das Ergebnis der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung, kamen den bauten nicht zugute. Lange Zeit blieben sie ohne Besitzer und so entging besonders die schöne gezimmerte Hütte der Aufmerksamkeit der Vandalen nicht. Nachdem sie sie ausgeplündert und halb devastiert hatten, legte jemand Weihnachten 1955 ein Feuer, so dass sie bis auf die Grundmauern abbrannte. Erst 1976, aber zum Glück noch rechtzeitig, übernahm die Stadt den Aussichtsturm und durch ihre fürsorglichen Instandhaltungsarbeiten wurde er wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. An seinem Fusse, diesmal jedoch auf der anderen Seite, entstand eine neue Holzhütte, die aber lange Zeit keinen Betreibenden hatte. Schliesslich wurde sie vom Jagdverein übernommen, der im Sommer den Tagesbetrieb gewährte, im Frühling und Herbst jedoch nur bei günstigem Wetter.

Nach 1989 pachtete Herr Miloš Lyach die Hütte, dessen Wunsch es ist, den ehemaligen Ruhm dieses vielbesuchten Ortes zurück zu verlangen. Bisher stösst er aber auf eine Anzahl von Problemen. Die Hütte erreicht bei weitem nicht in ihrer Ausstattung und Grösse das Niveau der Medritzer-Hütte. Hier kann nur die grundlegendste Erfrischung angeboten werden (Kekse, Waffeln, Schokolade, Bonbons), währenddessen hier früher gewöhnlich Bier, ausgeschenkt wurde. In der Hütte gibt es weder elektrischen Strom noch Wasser, er fehlen hier Sozialeinrichtungen; die heutigen hygienischen Normen sind übrigens viel strenger als in der Vorkriegszeit. Auch die bisherigen Eigentumsverhältnisse wirken sich nicht vorteilhaft auf die Situation aus: währenddessen das Grundstück und der Aussichtsturm dem Sportverein Mikulovice (Niklasdorf) gehören, ist die Hütte Eigentum des Gemeindeamtes in Èeská Ves (Böhmischdorf), sodass alle Aktivitäten betreffs Modernisierung der Hütte und Verbesserung der hier angebotenen Dienste von der Absprache zwischen diesen beiden Subjekten abhängig ist. Der neue Pächter gibt sich allerdings grosse Mühe, bereits seit Mai hat r an jedem Wochenene geöffnet, vom 1.6. bis zum 15.9. dann jeden Tag und später bis zum letzten Oktobersonntag wieder am Wochenende - allerdings immer nur bei günstigem Wetter. Seine Anwesenheit signalisiert er auf wirklich originelle Weise. Wenn auf der Turmspitze eine Fahne weht, die mit blossem Auge von der Stadt aus sichtbar ist, weiss jeder in der Umgebung, dass der „Hausherr auf seiner Burg ist" und geöffnet hat. Die Aussicht vom Turm ist tatsächlich hinreissend, besonders die „Preussische Aussicht" in nördlicher Richtung bis zu dem Ottmachauer See in Polen. In südlicher Richtung überblickt man die gesamte Bergkette des Altvatergebirges vom Pradìd (Altvater) bis zum Šerák (Hochschar). Bei günstigem Wetter ist in westlicher Richtung das Glatzer-Schnee-Gebirge (Králický snìžník) zu sehen und nordwestlich das Reichensteiner Gebirge (Rychlebské hory). Auf die Goldkoppe gelangt man von der Stadt uaus entlang des rot- oder blaumarkierten Wanderwegs und aus entgegengesetzter Richtung von Rejvíz (Reihwiesen) ebenfalls entlang der roten Markierung. Der kürzeste Weg führt von Böhmischdorf aus entlang der blauen Markierung.

Das Altvatergebirge ist fortwährend ein sehr attraktives touristisches Gebiet. Für die hiesigen Behörden bietet sich die Gelegenheit, diesem Gebiet seinen ehemaligen Ruhm zurück zu verleihen, einem Teil der Bevölkerung Arbeitsplätze zu schaffen und aus dem Verdienst aus dem Fremdenverkehr die Infrastruktur zu sanieren. Für die Stadt Jeseník ist eine erste Gelegenheit dazu, das gesamte Areal des Aussichtsturms zu verbessern. Dieser Ort ist nämlich der Stadt am nächsten gelegen und ist leicht zugänglich.

 

 


Jesenická rozvojová o.p.s.


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