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Philo vom Walde (Jan Reinelt) (1858 - 1905)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erblickte am 5. August 1858 in Kreuzendorf (Goluszowice) bei Leobschütz (Glubice) Johann Reinelt, der bekannte schlesische Dich­ter und Schriftsteller das Licht der Welt.

Er war eine interessante Persönlichkeit, ein guter Freund von Josef Obeth, des Bildhauers, der in unserer Region geboren wurde und hier wirkte. Johann Reinelt verfasste eine Biografie von Vincenz Priessnitz, des Be­gründers der Wasserheilanstalt in Gräfenberg, und seines Nachfolgers Josef Schindler.

Johann Reinelt wurde in der Familie von Karl Reinelt, eines Webers und Nachtwächters in Kreuzendorf geboren. Sein Vater musste auch im örtlichen Steinbruch als Hilfsarbeiter mit­helfen, um die Familie vor der Armut zu bewahren. Bald verstarb ihm die erste Frau, mit der er bereits zwei Kinder hatte, dann heiratete er Růžena Kurhová. Johann war das erste Kind der zweiten Ehe. Die Familie Reinelt lebte in einer Lehmhütte im oberen Teil von Kreuzendorf, wo es nur einen größeren Raum und einen Korridor gab und wo sieben Personen lebten. Jedes Kind hatte seine Aufgabe und musste wegen der erwähnten Armut in der Familie arbeiten. Der Vater besaß ein Stückchen Land, das jedoch nicht zur Ernährung einer ganzen Familie ausreichte, sie hatten eine Kuh, die sie ernährte, und die sie auch vor den Wagen spannten, der Wagen war jedoch gemeinsamer Besitz mit dem Nachbarn.

Johann war unterernährt und schwach und war deshalb zufrieden, wenn er die Erzählungen seines Vaters und der Frau über die Geschichte des heimatlichen Gebietes in der Spinn­rockenstube und am Spinnrad während der langen Winterabende anhören konnte. Seine Ein­bildungskunst brachte ihn aus der armseligen Wohnung in die wunderbaren Paläste erträumter Gegenden. Die Bewohner von Leobschütz waren nämlich sehr mit den Mythen und Tradi­tionen verbunden, kannten viele regionale Sagen und Legenden, die von Generation zu Gene­ration mündlich weitergegeben wurden.

In Kreuzendorf lebte die Mehrzahl der Bewohner von der Landwirtschaft. Es gab dort Hand­werk, aber das hatte eine zweitrangige Bedeutung, so arbeitete dort z. B. eine Windmühle, ein Werk, das Öl aus Leinensamen presste, und eine Bierbrauerei.

Der kleine Johann war ein sehr begabter Schüler, obwohl er krank war. Er lenkte die Auf­merksamkeit des Kreuzendorfer Lehrers und Pfarrers auf sich und die empfahlen ihn für ein weiteres Studium. Dank ihrer Fürsprache wurde er im Lehrerseminar in Bélá Prudnička auf­genommen. Bereits während seines Studiums schrieb er Artikel für schlesische Zeitungen. Zu seinen ersten Werken gehören „Schlesien in seinen Sagen und Gewohnheiten", „Aus der Region", „Die Dorfhexe".

Er nahm ebenfalls einen Künstlernamen an und schrieb unter dem Pseudonym Philo vom Walde, der Philosoph aus dem Wald. Er schrieb hauptsächlich in Deutsch im schlesischen Dialekt.

Zu seinen stärksten Dichtungen gehört „Die menschliche Armut", in der er als Zeuge auf die maßlose Armut der Bewohner seines Heimatdorfes Kreuzendorf hinweist. Als reifer Dichter und Schriftsteller schrieb er dann das Drama „Die Erlösung", „Unter dem Schutz der Mutter Gottes", sowie die Prosa „Der kleine Weber", „Die Geschichte vom alten Kontrabass" und andere.

Nach Absolvieren des Lehrerseminars in Bélá Prudnička wurde er Hilfslehrer in Bélá Nisska, wo er vier Jahre lang war, im Jahre 1882 wurde er Lehrer in der benachbarten Gemeinde Korkovice. Dort heiratete er im gleichen Jahr Maria Brausemann. Im Jahre 1884 wurde er nach Neisse versetzt, wo er an der Knabenschule unterrichtete.

Die Armut und das Leiden in der Jugend waren der Grund für eine ernsthafte Erkrankung, er litt an Magenbeschwerden und Tuberkulose. Das brachte ihn zur Entscheidung, in Gräfenberg zu kuren. Johann Reinelt beschreibt in seinen Erinnerungen den Weg nach Gräfenberg so: „Es war am 6. Juli 1885. Das goldene Sonnenlicht lag ringsherum auf den Hügeln und auch in den Tälern und unsere Pferde trabten fröhlich von Neisse nach Gräfenberg. Die Menschen auf der Straße, die mich sahen, sahen sich fragend an und dachten sich: Ist der gerade aus dem Grab gestiegen? Ich habe ihnen im Geist geantwortet: Nein doch, der legt sich dort erst noch hin... Unsere Fahrt dauerte fünf Stunden. Als wir oben vor dem Schindlerhaus ankamen, begrüßte uns ein älterer Herr, das war Josef Schindler."

Schindler gab auf Fürsprache von Jan Ripper, dem Priessnitzschen Schwiegersohn, dem armen Dichter ein schönes Zimmer in der Villa Austria, wo dieser während der Kur vier Wochen lang lebte. Nach einer teilweisen Heilung verließ er Gräfenberg, aber die mit Josef Schindler geschlossene Freundschaft band ihn und brachte Johann Reinelt sehr häufig zurück zu Besuchen Gräfenbergs und Groß Kunzendorfs. Während dieser häufigen Besuche bei Schindler schrieb er auch das Lobesgedicht über Gräfenberg.

In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ging Johann Reinelt nach Breslau, wo er nach langer und schwerer Krankheit am 16. Januar 1905 verstarb. Hier ist er auch beerdigt. Außer dem Lehrerberuf redigierte er die Zeitschrift „Naturarzt" und gab ebenfalls die Zeit­schrift „Der gemütliche Schlesier" heraus.

Diesem bedeutenden schlesischen Schriftsteller und Dichter errichtete man nach seinem Tode in Breslau im Jahre 1912 ein herrliches Denkmal in der Nähe der Pestalozzi-Schule, wo der Genannte unterrichtete. Dieses Denkmal wurde leider im zweiten Weltkrieg vernichtet. Im Jahre 1923 wurde Reinelt ein Denkmal nicht weit von seinem Heimatdorf in der Stadt Leob­schütz errichtet. Der Autor der Denkmäler in Breslau und Leobschütz sowie des Grabmahls auf dem Breslauer Friedhof war sein Freund Josef Obeth, der Autor des Priessnitz-Standbildes in den Smetana-Gärten in Jeseník.

 

Autor: Vítežslav Mazura

 


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